10 gute Gründe warum Mann/Frau sich nach einem Verkehrsunfall umgehend und eigentlich sofort an einen Rechtsanwalt wenden sollte:

1. Der BGH hatte in einer seiner vielen Entscheidungen zu Verkehrsrechtsfragen den bemerkenswerten Satz geprägt, dass es keine einfachen Verkehrsunfälle mehr gibt.

2. Auch wenn es schwer fällt sei angeraten, gegenüber der Polizei, sollten diese den Unfall aufnehmen, keine Aussagen zu machen. Jedem Betroffenen steht das Recht zu, darüber wird er im Übrigen auch immer belehrt (wenn es nicht vergessen wird oder im Trubel der Ereignisse untergeht), keine Aussage machen zu müssen. Nach Beiziehung der Akte durch den Anwalt und nach dem Gespräch mit dem/die Mandanten/in ist es immer noch ausreichend und dann auch entscheidend, wie sich der Anwalt für die/den Geschädigte/n zum Unfall einlässt.

3. Immer häufiger sind gegnerische Haftpflichtversicherungen bemüht und bieten dieses auch gleich an, einen Sachverständigen, und zwar ihren Sachverständigen, zur Ermittlung des Schadens zu schicken. Der/die Betroffene muss wissen, sich den Gutachter selbst aussuchen zu können. Es wäre eine Illusion zu glauben, dass jeder Gutachter zum gleichen Ergebnis kommt.

4. Es soll niemand erwarten, dass die gegnerische Haftpflichtversicherung alle Schadenspositionen zum Zahlungsausgleich anbietet, die einem Geschädigten/einer Geschädigten zustehen.

5. Bei nicht wenigen Unfällen steht die Frage zur Entscheidung, ob der/die Geschädigte sich auf den Wiederbeschaffungswert des Fahrzeuges unter Anrechnung des Restwertes für den Fall verweisen lassen muss, wenn die Reparaturkosten bis zu 130 % höher ausfallen als der Wiederbeschaffungswert. Die rein rechnerische Frage wird natürlich auch mit durch den Gutachter entschieden. Bei Grenzwerten ist es durchaus möglich und dann schwer angreifbar, wenn der Gutachter der gegnerischen Haftpflichtversicherung auf einen Wert von 131 % oder darüber kommt.

6. Bei einer fiktiven Abrechnung von Reparaturkosten wird die gegnerische Haftpflichtversicherung immer auf die niedrigsten möglichen Stundensätze verweisen. Unter Berücksichtigung des Alters des Fahrzeuges und bei der Frage, ob der/die Geschädigte den Pkw immer in einer Fachwerkstatt zur Durchsicht oder Reparatur hatte, sind höhere Ansprüche denkbar und auch durchsetzbar.

7. Probleme kann es auch geben bei der Frage, ob ein Geschädigter sich einen Leihwagen nimmt oder die Tagesentschädigungssätze für die Zeitdauer der Reparatur beansprucht. Hier können böse Überraschungen bei der Nutzung eines Mietwagens auftreten.

8. Eine anwaltliche Beratung bzw. Vertretung ist insbesondere angezeigt, wenn der/die Geschädigte die Möglichkeit hat, den Schaden auch über eine Vollkaskoversicherung abrechnen zu können.
Bei dieser Frage geht es um das Zauberwort "Quotenvorrecht". Diese Problematik ist für Nichtjuristen aber auch selbst für Juristen, die sich nicht überwiegend oder ausschließlich mit dem Verkehrsrecht befassen, nicht wirklich zu lösen.
Es ist durchaus denkbar, dass einem Geschädigten/einer Geschädigten auch bei einem Mitverschulden am Verkehrsunfall über die Kombination der Inanspruchnahme der Kaskoversicherung und der gegnerischen Haftpflichtversicherung fast der volle Schaden ausgeglichen werden kann. Eine solche Möglichkeit wird ohne anderweitiger Kenntnisnahme gar nicht erst erkannt.

9. Wer sich bei Personenschäden darauf verlässt, dass die gegnerische Haftpflichtversicherung die Beträge zahlt, die der/dem Geschädigten zustehen, ist verlassen genug.

10. Nun zu der entscheidenden Frage: Was kostet der/dem Geschädigten die Inanspruchnahme eines Rechtsanwaltes/einer Rechtsanwältin?

Antwort A: Wenn ein Geschädigte/eine Geschädigte über eine Rechtsschutzversicherung verfügt, sollte auf jeden Fall anwaltliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Das kostet ja nichts und kann nur zur Verbesserung des Anspruchs der/des Geschädigten führen.

Antwort B: Verfügt ein Geschädigte/eine Geschädigte über keine Rechtsschutzversicherung empfiehlt sich trotzdem die Inanspruchnahme eines Rechtsanwaltes/einer Rechtsanwältin. Die gegnerische Haftpflichtversicherung ist verpflichtet, die entsprechenden Anwaltskosten zumindest zur Quote der Durchsetzung der Ansprüche als Schadensposition an den Anwalt zu zahlen.

Ob der Anwalt/die Anwältin dann eine mögliche Differenz unter Berücksichtigung standesrechtlicher Betrachtungen vom Mandanten einfordern kann, kann an dieser Stelle dahingestellt sein.